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Pikler: "Der Säugling lernt im Lauf seiner Bewegungsentwicklung nicht nur sich auf den Bauch zu drehen, nicht nur das Rollen, Kriechen, Sitzen, Stehen oder Gehen, sondern er lernt auch das Lernen. Er lernt, sich selbständig mit etwas zu beschäftigen, an etwas Interesse zu finden, zu probieren, zu experimentieren. Er lernt Schwierigkeiten zu überwinden. Er lernt die Freude und die Zufriedenheit kennen, die der Erfolg - das Resultat seiner geduldigen, selbständigen Ausdauer - für ihn bedeutet" (Emmi Pikler, Laßt mir Zeit, 1982, S.38)

Milani/Gidoni und Pikler versuchten die Bedingungen für das Kind - ob behindert oder nicht - so zu gestalten, dass das individuelle Entwicklungspotential sich optimalst entfalten kann. Beide verzichteten auf direktes Eingreifen und Manipulieren am Kind.

Monika Aly hat bereits in den frühen achziger Jahren versucht, die Gegensätze von gesund und krank, normal und therapeutisch aufzuheben, indem sie die Gemeinsamkeiten beider Konzepte hervorhob.

Aly: "Pikler und Milani/Gidoni verzichteten auf direkte Interventionen, sie nahmen mehr Einfluß auf die äußeren Bedingungen, die die Entwicklung des Kindes unterstützen. Beide schenkten dem ersten "Schritt", also der ersten Kontaktaufnahme des Kindes mit seiner Umwelt, große Aufmerksamkeit. Milani verglich diesen Kontakt mit einer offenen Spirale: Das Kind macht einen Vorschlag, der Erwachsene einen Gegenvorschlag, dadurch entsteht ein Dialog. Zwischen Vorschlag und Gegenvorschlag gibt es eine "kreative Differenz", die auch Geheimnisse in sich birgt. In einem solche Dialog kommen beide Partner nie mehr zum Ausgangspunkt zurück, sondern entwickeln gemeinsam etwas Neues."

"Im Dialog wird der Vorschlag des Kindes respektiert, die Antwort des Erwachsenen bewegt sich so genau auf der Ebene des Kindes, das daraus neue Fragen entwickelt, der Erwachsene ebenso. Daraus entsteht ein Dialog, der sich durch die persönliche Kompetenz des Kindes, auch unabhängig von seiner Behinderung, immer weiter entwickelt." (aus: "Von der Behandlung der Krankheit zur Sorge um Gesundheit". Konzept einer am Kind orientierten Gesundheitsförderung von Prof. Adriano Milani Comparetti, 1985)

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